CAMP/ANTI-CAMP – A QUEER GUIDE TO EVERYDAY LIFE
19. bis 21. April 2012 / HAU 2
Kuratiert von Susanne Sachsse und Marc Siegel

Donnerstag, 19. April
18.00 Uhr Eröffnung mit Susanne Sachsse und Marc Siegel, Camp/Anti-Camp Clips 1
19.00 Uhr Konzert von Holly Woodlawn (Los Angeles), Special Guest: Tangowerk (Berlin), anschl. Gespräch mit Bruce LaBruce (Toronto)
21.00 Uhr Vortrag von Douglas Crimp (New York)
22.45 Uhr Performance von Narcissister (New York)
23.30 Uhr Vaginal Davis is Speaking From the Diaphragm, Talkshow Performance mit Gästen

Freitag, 20. April
12.00 Uhr Films Camp/Anti-Camp Clips 2
12.30 Uhr Vortrag von Juliane Rebentisch (Ffm.)
14.00 Uhr Vortrag von Elizabeth Lebovici (Paris)
15.00 Uhr Video / Präsentation von Max Jorge Hinderer Cruz
16.00 Uhr Vortrag von Nguyen Tan Hoang (Philadelphia)
18.30 Uhr Tropicamp: Einführung von Max Jorge Hinderer Cruz (Berlin), Vorträge von Juan A. Suárez (Murcia) und Frederico Coelho (Rio de Janeiro), Performance von RG_Faleiros (São Paulo), Film Respectable Creatures von Jack Smith
21.30 Uhr Performance von Carmelita Tropicana (New York)
22.00 Uhr Vaginal Davis is Speaking From the Diaphragm

Samstag, 21. April
12.00 Uhr Films Camp/Anti-Camp Clips 3
12.30 Uhr Vortrag von José Muñoz (New York)
13.30 Uhr Vortrag von Heather Love (Philadelphia)
15.00 Uhr Präsentation von Richard Move (New York), anschl. Gespräch mit Douglas Crimp (New York)
16.30 Uhr Vortrag von Gavin Butt (London)
19.00 Uhr Vortrag von Diedrich Diederichsen (Wien)
20.30 Uhr Videoclip-Präsentation von Bruce LaBruce (Toronto)
22.00 Uhr Performance von Jakob Lena Knebl & Hans Scheirl (Wien)
22.30 Uhr Skype-Performance mit Taylor Mead, New York
23.00 Uhr Vaginal Davis is Speaking From the Diaphragm
23.45 Uhr Konzert von Tenderloin (Berlin) und The Voluptuous Horror of Karen Black (New York)

Camp soll eine Lüge sein, die die Wahrheit erzählt. Camp soll ein unerwartet starkes Bekenntnis zum Trivialen sein. Für die einen ist Camp so schlecht, dass es wieder gut ist. Für die anderen ist Camp so gut, dass es das herrschende Wertesystem in Frage stellt. Camp ist ein schwer definierbarer Begriff, der aus der queeren Subkultur des 20. Jahrhunderts kommt und den Susan Sontag mit ihrem Aufsatz „Anmerkungen zu Camp" (1964; auf deutsch in ihrem Buch „Kunst und Anti-Kunst”, 1980) in den kulturwissenschaftlichen Diskurs eingeführt hat. Der Begriff Camp eröffnet neue Perspektiven auf Filme, Performances und Stars sowie Ästhetik, Konsumkapitalismus, Gender-Identität und Community, indem er einen pervers-produktiven Blick auf kulturelle Produkte und einen Lebensstil ermöglicht. Der amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Eve Kosofsky Sedgwick zufolge unterscheidet sich Camp wesentlich von Kitsch, auch wenn beide unterbewertete kulturelle Produkte und Praktiken beschreiben. Nach Sedgwick ist Kitsch eher als Zuschreibung zu verstehen, wohingegen sie Camp als Prozess der Anerkennung versteht. Für die Kitsch-Zuschreibung lautet die Frage: „Welches unwürdige Wesen könnte das richtige Publikum für dieses Spektakel sein?“ Camp-Anerkennung geht aber von der Frage aus „was, wenn?”: „Was, wenn ich genau das richtige Publikum dafür wäre? Was, wenn die widerstrebende, schräge, tangentiale Aufmerksamkeit, die ich für dieses Spektakel aufbringe, und der Reiz, den es auf mich ausübt, tatsächlich eine unheimliche Reaktion auf das rebellische, schräge, tangentiale Engagement der Person oder Autoren dieses Werks wäre? Und was, wenn überdies andere, die ich nicht kenne oder erkenne, das Werk aus dem gleichen ‚perversen’ Blickwinkel sehen?“
“Camp/Anti-Camp” wird anhand einer Vielzahl von kulturellen Praktiken, die typischerweise als Camp bezeichnet worden sind, den Camp-Diskurs verhandeln. Was, wenn wir diesem Diskurs hybride internationale Praktiken gegenüberstellen, die sich auf kulturelle, ethnische und historische Traditionen beziehen, die den Rahmen der queeren Kultur überspringen? Mit exemplarischen Performances und Filmen sowie wissenschaftlichen und künstlerischen Präsentationen setzt sich das Festival zum Ziel, die Erklärungskraft des Camp-Diskurses für eine Vielfalt von unterbewerteten Kulturpraktiken zu hinterfragen. Im Sinne Mae Wests Aussage „Zuviel ist nicht genug" bietet das Festival nur Höhepunkte: Einen Auftritt der Queer-Ikone und Warhol-Superstar Holly Woodlawn und ein Konzert von der sexuell-transgressiven Kult Performerin Kembra Pfahler mit ihrer Band „The Voluptuous Horror of Karen Black”. Des weiteren Performances von der New Yorker Downtown Legende Carmelita Tropicana, der jungen mysteriösen Klubfigur Narcissister und den berüchtigten österreichischen Künstlern Jakob Lena Knebl/Hans Scheirl u.a. Außerdem finden Präsentationen von internationalen WissenschaftlerInnen wie Douglas Crimp, Diedrich Diederichsen, Elizabeth Lebovici, José Muñoz und Juliane Rebentisch und Künstlern wie Bruce LaBruce und Richard Move statt. Jeden Abend wird die preisgekrönte Homo-Core Queen Vaginal Davis Festivalgäste und Persönlichkeiten aus der Berliner Szene in ihrer Talkshow Performance „Vaginal Davis is Speaking from the Diaphragm" auf die Bühne bringen.
Die von Max Jorge Hinderer Cruz kuratierte Sektion Tropicamp beschäftigt sich mit dem Tropicalismus und Internationalismus der Avant-Garde, mit der brasilianischen Sängerin und Hollywood Movie Star Carmen Miranda und mit zeitgenössischen Performanceimpulsen aus Brasilien. Tropicamp, ein Begriff des brasilianischen Künstlers Hélio Oiticica, der seine Faszination für die anti-kommerziellen Tendenzen innerhalb der US Undergroundfilm Szene (vor allem bei Mario Montez und Jack Smith) zum Ausdruck bringt, wird dabei einen internationalen Blick auf den Camp-Diskurs eröffnen. Festival Events werden durch Filme (u.a. von Hélio Oiticica und Jack Smith), Food Performances (Liz Rosenfeld/Sam Icklow) und Buch- und DVD-Angebote von b_books komplettiert. Feel Good-Substanzen von der Voodoo Chanel Bar werden „Camp/Anti-Camp: A Queer Guide to Everyday Life” in Höhen und Tiefen schießen.

Eine CHEAP Produktion, in Koproduktion mit dem HAU und in Kooperation mit dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst, e.V. (Berlin), dem Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt am Main), und der Microscope Gallery (New York). Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds